Foto: Arnd Geise
19.03.2022
20:00 Uhr
18.30 Uhr

Ulita Knaus

Am 19.03.2022 im Veranstaltungshaus "Kultur Hinterm Feld"

Ulita Knaus

Old Love And New

(Knaus Records, im Vertrieb von Membran/ The Orchard)

„Die Frau kann einfach singen!“ – Rolf Kühn

Manche Themen werden nie alt, die dazugehörigen Gefühle noch viel weniger. Die Liebe, auch und besonders zur Poesie und zum Jazz, gehören für Ulita Knaus dazu. Für ihr achtes Soloalbum „Old Love And New“ bringt die Ausnahmesängerin und Komponistin erstmals diese beiden Herzensangelegenheiten zusammen. Die vierzehn wunderschönen Neukompositionen aus ihrer Feder sind zu Gedichten ihrer Lieblingsdichterinnen entstanden – es sind zeitlose Texte, immer emotional und manchmal auch politisch, die Ulita Knaus hier mit einer ergreifenden Leichtigkeit zu neuem Leben erweckt. Schon jetzt wirken die Songs, auch weil Ulitas Band so fabelhaft swingt, wie wiederentdeckte Standards aus der großen Songbook-Ära von Cole Porter oder den Gershwins. Wem das alles noch nicht Statement genug ist, der oder die darf sich darüber hinaus freuen, dass dieses Album auf Knaus Records erscheint, dem eigens für diesen musikalischen Befreiungsschlag gegründeten Label der Hamburgerin.

„Die Gedichte sind so wundervoll geschrieben, dass man beim Lesen schon Musik hört“, sagt Ulita Knaus. „Der Rhythmus ergibt sich aus den Reimen. Die Melodien flossen nur so aus mir heraus und die Harmonien darunter haben sich dadurch ergeben. Nur die Form war etwas schwieriger, als gedacht. Da ich quasi in Jazz-Standard-Form schreiben wollte, die Texte aber meistens einen Vers weniger haben, als die Jazz Standards von Cole Porter oder den Gershwins und so weiter, musste ich mit Wiederholungen arbeiten oder die Form kürzen. Im Ergebnis hört man diese Einschränkungen allerdings nicht. Auf jeden Fall war der Prozess des Komponierens eine echte und neue Herausforderung für mich.“ Schon seit einigen Jahren hatte Ulita Knaus, die ihre eigenen Stücke bislang auch immer selbst betextet hat, die Idee, Gedichte zu vertonen. Die erzwungene Auszeit des Lockdowns ermöglichte es ihr, die vielen Gedichtbände, die sie über die Jahre angesammelt und meist nur angelesen hatte, in epischer Breite zu genießen. „Ich bin sehr glücklich, dass ich mich bei dieser Produktion auf Gedichte von Poetinnen konzentriert habe, die um 1900 gelebt haben. Ich fand enorm viele Gedichte, die mich berührten und mir Inspiration zum Komponieren gaben – ich hätte drei komplette Alben schreiben können.“ Dass sie sich ausschließlich für weibliche Autorinnen entschied, lag ganz einfach daran, dass sie sich mit deren Themen am besten identifizieren konnte. „Alle diese Dichterinnen lebten in der Zeit als Frauen zum ersten Mal für ihre Rechte auf die Straße gingen. Sie waren also alle Zeuginnen dieses Umbruchs. Natürlich spiegelt sich das in ihren Gedichten wider.“

In „Evolution“ von Alice Duer Miller, jetzt ein dringlicher Piano-Groove, und „Aunt Chloe's Politics“ von Frances Ellen Watkins Harper, durch Ulita zur dramatischen Ballade vertont, dreht es sich um solche politischen Inhalte. Beide Autorinnen waren Feministinnen und Bürgerrechtlerinnen, die sich mit ihren Veröffentlichungen für die Rechte der Frauen und der Schwarzen und deren Befreiung aus der Sklaverei einsetzten. „Ich wollte aber kein politisches Album machen, also habe ich mir Gedichte ausgesucht, die überwiegend mit Leichtigkeit das Leben der Frauen in dieser Zeit beschreiben“, erklärt Ulita Knaus. „In vielen Gedichten geht es um Liebesbeziehungen. Aber das ist nicht so banal wie es klingt. Wenn man sich genauer mit den Gedichten beschäftigt, wird sehr wohl klar, dass die Frauen auf dem Weg waren, sich von ihren „Korsetts“ zu befreien und aussprachen, was sie dachten.“ Ganz eindeutig haben die Poetinnen dieser Zeit die Emanzipation der Frauen angestoßen und auf oft subtile Art und Weise unterstützt. Amy Lowell, eine der Autorinnen, war homosexuell und beschreibt in der sehnsüchtigen Ballade „The Blue Scarf“ blumig die Liebe zu einer Frau und im Uptempo-Swinger „Fireworks“ wie farbenfroh ein Streit zwischen ihr und der Liebsten aussieht. In Sara Teasdales „Old love and new“ geht es zu einem entspannten Walking-Bass über ihre Liebe zu zwei Männern und die mitternächtliche Ballade „What lips my lips have kissed“ zum Text von Edna St. Vincent Millay beschreibt den inneren Konflikt einer Frau, die mehrere Liebhaber hat. „Aber ich fand auch zwei wundervolle Kindergedichte von Carolyn Wells: „Kitten Fly“ und „Bicycle built for two“ bekamen deshalb auch jeweils ein verspieltes Songarrangement“, sagt Ulita Knaus. „Es sind jetzt zwei Songs, die wirklich Spaß machen. Auch „Daisy Time“ von Marjorie Pickthall spiegelt für mich Leichtigkeit und Frohsinn wider. Es eignete sich daher ganz besonders für ein verspieltes und gleichzeitig kraftvolles Arrangement.“ Natürlich gibt es auch nachdenkliche Texte, etwa die Balladen „The Year“ und „Is it done?“ von Ella Wheeler Wilcox, Letzterer herzergreifend gesungen im Duett mit Jeff Cascaro. Auch „Come Rest Awhile“ von Lucy Maud Montgomery wirkt wie eine Aufforderung zum Innehalten und Durchatmen inmitten aufwühlender Zeiten. Es ist oft regelrecht gespenstisch, wie sehr diese Texte und ihre Lieder in unsere heutige Zeit passen.

Innehalten und Evolution, Rechte für alle und Fahrräder für zwei – dass diese Themen auf „Old Love And New“ so eindringlich und entspannt klingen, liegt natürlich auch an den Musiker*innen dahinter. „Eine exzellente Band mit sensiblen Arrangements begleitet Ulita großartig und einfühlsam“, meinte die europäische Jazz Legende Rolf Kühn. „Alles in allem eine großartige Produktion mit einer hochtalentierten Künstlerin. Ich gratuliere allen Beteiligten.“ Mit der Bassistin Lisa Wulff, dem Trompeter Benny Brown und dem Schlagzeuger Tupac Mantilla spielt Ulita Knaus schon seit Längerem. Martin Terens am Piano und der Saxophonist und Flötist Max Rademacher kamen auf deren Empfehlung dazu, ebenso wie Matti Klein, der auf auf „Is it done?“ einen Gastauftritt am Fender Rhodes hat. „Sie alle spielen gerne straight ahead und Swing Jazz, das war mir wichtig“, betont Ulita Knaus. „Durch den Lockdown hatten wir genügend Zeit, die Stücke auf ein solches Niveau zu bringen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Alle waren an der Gestaltung der Arrangements beteiligt. Es gab also eine echte Zusammenarbeit in und mit der Band bei den Proben.“ Das hört man überall auf „Old Love and New“, einem Album voller Poesie und Swing und Liebe – schon jetzt ein Klassiker und sicherlich der bisherige Höhepunkt in Ulita Knaus beachtlicher Karriere.

Besetzung:

Ulita Knaus - vocals
Tupac Mantilla - drums
Lisa Wulff - bass
Martin Terens - piano
Benny Brown - trumpet
Max Rademacher - saxophone

Infos

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